Dienstag, 21. Mai 2019

Ausdruck


Seit einer Weile lese ich Zeitungen nur noch online bzw. auf meinem PC. Dafür, dass ich das meiste nur überfliege, muss kein Baum sterben – oder von den Toten zurückgeholt werden.

Rätsel lassen sich auf dem Monitor nur schwer lösen, deshalb drucke ich mir die dann aus. Auf der Rückseite eines nicht mehr benötigten Papiers kann ich das ökologisch verantworten.

Meistens bringt mich ein Ausdruck also zum Rätseln.

Kleine Punkte ergeben ein Bild. Buchstaben. Zahlen. Worte. Gitternetze. Der Ausdruck ist kräftig, solange genug Tinte im Drucker ist. Wenn der Toner voll ist, kann man alles deutlich erkennen.

Was man nicht erkennen kann, sind die einzelnen Punkte. Sie fügen sich harmonisch zu einem Ganzen zusammen. Wir sehen das Endprodukt, nicht die Arbeit, die dahintersteckt.

Erst, wenn das Gerät schwächer wird, sehen wir Details. Linien. Undeutlichkeiten. Verschwommenes. Vielleicht sogar einzelne Punkte.

Das wollen wir schnell reparieren. Wir wollen das perfekte Bild. Das perfekte Produkt.

Das einfache Produkt.

Wenn die Schrift nicht mehr so deutlich ist, wird der Ausdruck für uns anstrengender. Wir müssen genauer hinsehen. Raten, was auf dem Papier steht. Erahnen, was gemeint ist.

Wir sind gefordert.

Auf der anderen Seite kann zu viel Tinte das Bild verschmieren lassen. Die Farbe erschlägt uns in seiner Buntheit, seiner Fülle förmlich. Wir halten das Blatt weiter von uns weg, um überhaupt etwas erkennen zu können. Manchmal geben wir auf und das Blatt kommt ungelesen ins Altpapier.

Ein Drucker braucht also genau die richtige Einstellung, um den perfekten Ausdruck hinzubekommen.

Darauf legen wir wirklich großen Wert.

Manchmal wünsche ich mir, dass wir auf unseren eigenen Ausdruck ebenso großen Wert legen würden…

Freitag, 15. Februar 2019

Multi-Tasking


Eines der schönsten Dinge der Gegenwart ist Multi-Tasking. Einige behaupten steif und fest, es zu beherrschen, andere geben zu, auf die Nase zu fallen, wenn sie beim Laufen sprechen sollen.

Grundsätzlich geht es darum: Kann ich mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen? Kann ich während eines Telefonats Kaffee kochen und Fenster putzen? Kann ich beim Essen am Handy daddeln und der Familie zuhören? Kann ich beim Autofahren telefonieren? Kann ich gleichzeitig fernsehen, chatten, you-tuben und kommunikativ mit meinen Mitmenschen sein?

Irgendwie scheinen die meisten Fragesteller Eltern zu sein…

Und bei den Antworten geht es zwischen: „Klar geht das“ bis zu: „Unmöglich!“ Aus den Antworten ein Geschlecht des Sprechers abzulesen, verbiete ich mir!

Auch die Wissenschaft interessiert sich natürlich für dieses Phänomen. Immerhin ist sie ja noch auf der Suche nach allen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns.

Manchmal beschränkt sich die Forschung aber auch auf die Suche nach Gehirn – je nachdem, ob der Forscher Multi-Tasking-fähig ist, oder nicht…

Ergebnisse liegen mittlerweile auch schon vor. ÜBERRASCHUNG für alle: Es geht nicht!

Das Gehirn kann zwei Dinge gleichzeitig, mehr aber nicht. Schon bei drei Aufgaben, die auf den ersten Blick und für sich genommen recht einfach erscheinen (laufen, sprechen, sich etwa merken), können die Menschen maximal zwei korrekt erfüllen.

Hat das jetzt echt jemanden gewundert?

Schauen wir doch mal ganz offen in die Welt. Sagen wir einfach mal ganz wahllos: in die Politik.
Gibt es dort Multi-Tasking?

Ich denke nicht!

Wer kann sich schon um die echten Sorgen „seiner“ Bevölkerung kümmern, wenn irgendwelche bösen Menschen nicht erlauben, eine Mauer zu bauen?

Wer kann schon sein eigenes Konto kontrollieren, während die Grenzen von Touristen überlaufen werden?

Wer kann schon kreative Ideen haben, wenn die Sorge um den Arbeitsplatz des eigenen Chauffeurs so groß ist?

Wer kann schon auf die Jugend hören, wenn die Geldgeber zum Essen laden?

Wer kann schon das Richtige tun, wenn das ein paar Wählerstimmen kosten könnte?

Vielleicht sollten die Damen und Herren in den Parlamenten und Diktaturen dieser Erde mal die Smartphones aus der Hand legen und sich wieder gegenseitig zuhören – oder noch besser: der Jugend…

Donnerstag, 15. November 2018

Ich habe einen Traum


Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den Hügeln des Harzes Luchs und Wolf leben, ohne Angst, erschossen zu werden…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Straßen von Stuttgart bewandert werden können, ohne Angst, überfahren oder erstickt zu werden…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages Wissen und Worte regieren und nicht Ignoranz und individuelle Interessen…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages wieder mehr fische als Müll im Meer schwimmen…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages alles Menschen das Mittelmeer beschwimmen können, ohne Angst, zu ertrinken, vergessen oder erschossen zu werden…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages jeder Mensch dort leben kann, wo es ihm gut geht…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages Gefängnisse in Gemeinschaftshäuser umgewandelt werden können…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages nicht mehr in Legislaturperioden sondern an die nachfolgenden Generationen gedacht wird…

Ich habe einen Traum, dass eines Tages alle Menschen erkennen, dass keiner von uns allein existieren kann…

Ich habe einen Traum… eigentlich sogar viele…

…und nach dem Traum folgt die Arbeit…