Montag, 15. August 2016

Sommer 2016



Sommer 2016.
Ich war dabei!
Die ganzen fünf Minuten.

Im Ernst: So schlimm ist es doch gar nicht. Klar, es gibt Kälterekorde, es regnet in einigen Regionen etwas mehr als sonst. Auch die Bauern werden etwas nervös, weil sie um ihre Ernte bangen.
Aber sogar letztere sagen, dass es zwar kein „super Ergebnis“ wird, aber doch ein „durchschnittliches“. Immerhin.
Genauso würde ich auch den Sommer beschreiben. Sicher kein „Super-Sommer“, aber doch auch keine Katastrophe.

Also warum meckern wir so viel?
Mir scheint es manchmal so, als seien wir mittlerweile dahin „erzogen“ worden, erstmal zu meckern und zu jammern.

Du hast einen neuen Job? – Ja, voll anstrengend!
Ihr seid Eltern geworden? – Ja, ich habe seit Wochen nicht mehr durchgeschlafen.
Neuer Fernseher? – Ja, kann aber kein Internet.
Die Sonne scheint! – Voll heiß, ich schwitze schon.
Es regnet! – Mist, meine Schuhe sind nicht wasserdicht.
Du warst im Urlaub? – Ja, voll teuer da alles.

 Eigentlich könnten wir uns darüber amüsieren: Wir haben uns einen neuen Reflex angewöhnt, mit dem wir viele lustige Gespräche führen können. Erstmal alles von der Seele jammern, bevor wir dann ernst über die Realität reden.
Leider kommen viele nicht mehr so weit. Sie verharren im Jammern und Meckern und freuen sich, wenn andere Menschen sich ihnen anschließen. Und dann jammern und meckern sie in einer immer größeren Gruppe. So ganz ohne Realitätsbezug, so ganz ohne irgendwelchen echten Hintergrund, so ganz ohne den Blick für das große Ganze.
Und dann wollen sie doch tatsächlich den Wetterfrosch im Teich versenken, weil er sie angelogen hat. Dabei haben sie ihm vorher die Leiter geklaut, sodass er gar nicht anzeigen konnte, dass das Wetter schön wird und sie ins Schwitzen geraten könnten.
Aber über das Jammern und Meckern hinweg können viele nicht mehr alles erkennen.

Ist auch schwierig mit den ganzen Tränen in den Augen.
Oder sind es Regentropfen? Immerhin ist ja Sommer...

Mittwoch, 15. Juni 2016

Generation heute



„Ach wär‘ ich doch nochmal so jung...“, „ich wollt‘ auch nochmal 20 sein...“, „beschwer‘ Dich nicht – die Schulzeit ist die beste Zeit des Lebens...“
Hat das nicht jeder von uns schon einmal gehört? Und haben wir uns nicht alle ziemlich darüber aufgeregt, als wir es gehört haben?

Und haben wir uns, je nachdem, wie alt wir bereits geworden sind und wie viel Kontakt wir zu jüngeren Menschen haben, ertappt, diese Sätze selber zu verwenden?

„Damals“, als wir noch Kinder oder Jugendliche waren, waren Menschen um die 40 eigentlich schon tot. Uralt zumindest. Die Perspektive ändert sich deutlich.

Unsere Schulzeit war furchtbar: Früh aufstehen, Arbeiten schreiben, Gedichte auswendig lernen (oder die Weihnachtsgeschichte), Anwesenheitspflicht, fliegende Kreide oder Schlüsselbunde. So kam es uns damals vor.
Im Nachhinein erinnern wir uns aber vor allem an Freunde treffen, Schwänzen, Lehrer veräppeln, Klassenfahrten und Parties. Und da „die Jugend von heute“ dies ja momentan durchleben darf, beneiden wir sie.

Ich nicht.

Ein etwas differenzierterer Blick lässt uns erkennen, unter welchem Druck die jungen Menschen stehen. Wie belastet sie sind und welchen Stress sie schon in jungen Jahren erleben – also schon in der „besten Zeit des Lebens“.
Dieser Stress ist zugegebener weise nicht unbedingt dem Schulsystem geschuldet. Auch wenn die Belastung durch Lernen, Arbeiten etc. schon hoch ist.

Der größte Stress, der existiert ist der Stress durch die Umwelt. Die menschliche Umwelt. Familie, Freunde und solche, die für wichtig gehalten werden. Sogenannte Peer-Groups.
Ziel jedes Menschen ist es, zu einer Gruppe zu gehören. Gruppen definieren sich über die unterschiedlichsten Dinge: Kleidung, Hobbies, Vereinszugehörigkeit, Musik und vieles mehr.
Früher konnten wir ohne Probleme einen eigenen Weg gehen. Zwar wurden wir dafür auch mal belächelt, in extremen Fällen sogar geärgert oder verprügelt. Aber wir wurden nicht weltweit an den Pranger gestellt, potenziellen Arbeitgebern als „nicht einstellbar“ vorgeführt und auf ewig mit Fotos, Aussagen oder dummen Aktionen konfrontiert. Früher wurde auch mal vergessen, heute nicht.
Kein Wunder, wenn alle gleich aussehen oder die gleiche Musik hören: Wer anders ist, wird erkannt, bekannt und im Zweifel auf einem virtuellen (?) Scheiterhaufen verbrannt.

Ich bin froh, dass ich nicht mehr jung sein muss. Zumindest nach meinem Ausweis.

Ansonsten gilt: Ich bin so jung, wie ich mich fühle – auf den ganzen Körper bezogen also zwischen 10 und 90. Macht einen guten Schnitt...

Sonntag, 15. Mai 2016

Männerschnupfen



Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Männer mehr Schmerz aushalten können als Frauen.
Soweit die Theorie.

Praktisch scheint es häufig so, dass Männer an den kleinsten Wehwehchen sterben. Worte wie „Männerschnupfen“ machen die Runde. Ähnliche Sorge gibt es nur vor Krebs und Malaria. Keiner weiß, wen es wann trifft. Das Leiden ist riesig.
Ich selber leide an Allergien. Einige. Meistens geht es mir damit gut, weil ich keine wirklichen Einschränkungen dadurch habe. Momentan neige ich aber dazu, meine Allergien fast wie einen Männerschnupfen auszukosten.
„Sollen wir noch mal raus?“ – „Och nö, Du weißt ja, die Allergie...“

Ein bisschen Leiden tut halt manchmal gut. Umsorgt werden. In den Mittelpunkt gestellt werden, obwohl es nichts zu feiern gibt. Einfach mal Weichei sein dürfen.

Die Entwicklung der Menschen ist über die letzten Millionen Jahre relativ weit fortgeschritten. Bei einigen Punkten merken wir aber immer wieder, dass wir noch tief in steinzeitlichem Verhalten verwurzelt sind: Schreckhaftigkeit bei lauten Geräuschen; Aufmerksamkeit bei gefährlich leisen Geräuschen; Frauen, die im Haushalt alles alleine machen müssen; Unterschiedlicher Arbeitslohn...

Vielleicht ist es bei Krankheiten genauso. Während Frauen gebären und sofort wieder Obst und Gemüse sammeln gehen konnten, mussten die Männer wirklich fit sein. Jedes Niesen konnte die ganze Gruppe bei der Jagd in Gefahr bringen, deshalb musste ein Schnupfen richtig auskuriert werden.
Erstaunlicherweise haben die Männer etwas daraus gelernt: Die Verlängerung der Krankheit führt zur Verlängerung der Auszeit.

Und vielleicht passierte es ja auch, dass bei einer Jagd, bei der ein Mitglied der Gruppe entschuldigt fehlte, der Rest der Gruppe vom Säbelzahntiger erwischt und getötet wurde. Evolutionär könnte es also sein, dass die Krankheitsanfälligeren Männchen auf Dauer diejenigen waren, die länger die Gelegenheit hatten, Nachwuchs zu zeugen.
Wahrscheinlich waren auch sie diejenigen, die irgendwann gesagt haben: „Zur Jagd? Och nö, Du weißt doch, mein Schnupfen...“

Vielleicht ist so die Sesshaftigkeit entstanden. Nur so wurde es möglich, Statussymbole wie Autos, Häuser und Gärten anzulegen. Nur so konnten endlich Fettleibigkeit und Diabetes Einzug in unsere Leben finden.
Nur so konnten Ärzte erfunden werden, die aufgesucht werden, um danach über sie zu schimpfen, ihre Ratschläge zu missachten und anschließend wieder sagen zu können: „Wäsche aufhängen? Och nö, Du weißt doch, der Schnupfen...“

Evolutionär kann man(n) also nur sagen: Ein kleiner Schnupfen für die Frau – ein großer Schritt für die Menschheit...